vServer mieten: wann sich ein eigener virtueller Server lohnt
Ihre Seite wird langsamer, der Hoster schreibt, Sie verbrauchen zu viel, und irgendwo lesen Sie: Dann musst du halt einen vServer mieten. Die Angebote sehen verlockend aus. Für wenig mehr Geld gibt es eigene Prozessorkerne, viel Arbeitsspeicher und volle Kontrolle. Was selten dabei steht: Mit der Kontrolle bekommen Sie auch die Verantwortung. Für manche lohnt sich das, für viele nicht.
Für wen diese Seite ist: für alle, deren Hoster über zu hohen Verbrauch klagt, und für alle, die gern selbst an einem Server arbeiten wollen. Betreiben Sie eine normale Firmenseite, einen Blog oder eine Vereinsseite, brauchen Sie keinen vServer. Dann ist ein gutes Paket beim Shared Hosting die bessere und günstigere Wahl.
Die drei Möglichkeiten im Überblick:
- Shared Hosting: Der Hoster pflegt den Server, Sie kümmern sich nur um Ihre Seite. Richtig für die meisten Webseiten.
- Managed vServer: feste Leistung nur für Sie, der Anbieter pflegt das System. Richtig für Shops und Firmenanwendungen, denen Shared Hosting nicht mehr reicht.
- Unbetreuter vServer: volle Kontrolle und volle Verantwortung. Richtig für Leute mit Linux-Kenntnissen oder Lust, sie zu lernen.
Wer einen vServer mieten will, sollte wissen, was ein Fehler kostet: Ein unbetreuter vServer ohne regelmäßige Updates ist nach wenigen Monaten angreifbar. Wird er gekapert, verschickt er Spam oder fällt aus, und die Bereinigung dauert Tage. Wer das nicht selbst abfangen kann, nimmt Shared Hosting oder einen Managed vServer.
Was ein vServer ist
Das „v“ steht für virtuell. Ein Anbieter nimmt einen großen, echten Server und teilt ihn per Software in mehrere kleinere Server auf. Jeder dieser Teile verhält sich, als wäre er ein eigener Rechner: mit eigenem Betriebssystem, eigenen Programmen und einem fest zugeteilten Anteil an Prozessor und Arbeitsspeicher. Andere Namen dafür sind VPS (Virtual Private Server) oder virtueller Server.
Wenn Shared Hosting ein Mietshaus mit geteilter Heizung ist, wie auf der Seite zum Shared Hosting beschrieben, dann ist ein vServer eine Eigentumswohnung. Die Wände sind fest, die Fläche gehört Ihnen, und kein Nachbar dreht Ihnen die Heizung ab. Dafür sind Sie auch selbst dafür zuständig, wenn ein Rohr platzt.
Der Unterschied zu Shared Hosting in einem Satz
Beim Shared Hosting mieten Sie Platz auf einem Server, den jemand anderes pflegt. Wenn Sie einen vServer mieten, mieten Sie einen Server, den Sie selbst pflegen.
Der Rest ergibt sich daraus. Beim Shared Hosting dürfen Sie nur nutzen, was der Hoster anbietet. Auf dem vServer installieren Sie, was Sie wollen: eine bestimmte Datenbank, ein Programm in einer Sprache, die der normale Webspace nicht kennt, oder mehrere Webseiten mit getrennten Einstellungen. Sie haben den sogenannten Root-Zugang. Root ist der Hauptbenutzer, der auf dem System alles darf, auch alles kaputtmachen.
Was Sie übernehmen, wenn Sie einen vServer mieten
Bei den meisten günstigen Angeboten bekommen Sie einen nackten Server mit einem frisch installierten Linux. Kein Kundenmenü wie beim Webhosting, keine fertigen Postfächer, kein Webserver. Den Rest erledigen Sie über eine Textkonsole, die SSH heißt.
Die Einrichtung ist an einem Wochenende zu schaffen, wenn Sie Anleitungen folgen können. Schwerer wiegt die laufende Pflege. Für Linux erscheinen regelmäßig Sicherheitsupdates. Wer sie nicht einspielt, betreibt nach ein paar Monaten einen Server mit bekannten Lücken. Automatische Angriffe suchen das Netz ständig nach genau solchen Servern ab. Ein ungeschützter Server wird oft schon kurz nach dem Start mit Anmeldeversuchen beschossen.
Wer einen unbetreuten vServer mieten will, sollte deshalb noch am ersten Tag drei Dinge erledigen:
- Updates einspielen und automatisieren. Unter Debian und Ubuntu erledigt das Paket „unattended-upgrades“ die Sicherheitsupdates von selbst.
- Anmeldung per Schlüssel statt Passwort. Ein SSH-Schlüssel lässt sich nicht erraten. Danach schalten Sie die Anmeldung per Passwort und den direkten Login als root ab.
- Firewall nur für das Nötigste öffnen. Für eine Webseite sind das meist die Ports 22 für SSH, 80 für HTTP und 443 für HTTPS. Ein Werkzeug wie fail2ban sperrt zusätzlich Adressen, die immer wieder falsche Logins probieren.
Panik ist nicht nötig. Fragen Sie sich aber ehrlich: Habe ich Lust und Zeit, mich jeden Monat um einen Server zu kümmern? Und wer kümmert sich, wenn ich im Urlaub bin?
Managed vServer: der Mittelweg
Viele Anbieter haben auch betreute vServer im Angebot. Dort spielt der Anbieter die Updates ein, überwacht den Server und hilft, wenn etwas klemmt. Oft gibt es ein Kundenmenü, das dem vom Webhosting ähnelt. Sie bekommen die festen Ressourcen eines vServers, ohne Systemverwalter werden zu müssen.
Das kostet deutlich mehr als ein unbetreuter vServer. Für eine Firma, deren Shop auf dem Server läuft, ist der Aufpreis meist günstiger als ein einziger Tag Ausfall. Für ein Hobbyprojekt, an dem Sie lernen wollen, reicht der unbetreute Server.
Wann sich ein vServer wirklich lohnt
Die folgenden Fälle sprechen klar dafür, einen vServer zu mieten:
- Sie brauchen Software, die auf normalem Webspace nicht läuft.
- Ihre Seite überschreitet trotz guter Optimierung dauerhaft die Grenzen eines großen Shared-Tarifs.
- Sie betreiben mehrere Projekte und wollen sie mit eigenen Einstellungen trennen.
- Sie wollen lernen, wie ein Server funktioniert.
Und diese Fälle sprechen dagegen:
- Ihre Seite ist langsam, aber Sie haben Bilder, Plugins und Cache noch nicht geprüft.
- Sie wollen eine normale WordPress-Seite betreiben. Dafür gibt es passende Hostingtarife.
- Sie haben keine Zeit für regelmäßige Pflege und wollen keinen Managed-Tarif bezahlen.
Worauf Sie beim Angebot achten sollten
Garantierte Ressourcen. Steht im Tarif, dass Prozessorkerne und Arbeitsspeicher fest reserviert sind? Manche Angebote teilen Kerne mit anderen Kunden. Das ist günstiger, aber unter Last langsamer.
Speicher. SSD-Speicher ist heute Standard, NVMe-SSDs sind schneller. Planen Sie Platz für Backups mit ein.
Backups und Snapshots. Ein Snapshot ist ein Abbild des ganzen Servers zu einem Zeitpunkt. Damit holen Sie nach einem misslungenen Update den alten Zustand zurück. Fragen Sie, ob das im Preis enthalten ist. Mehr dazu im Ratgeber Website Backup.
Standort und Vertrag. Für deutsche Besucher und für den Datenschutz ist ein Rechenzentrum in Deutschland oder der EU sinnvoll. Die Gründe stehen auf der Seite Serverstandort Deutschland. Achten Sie auch auf die Laufzeit. Zum Ausprobieren eignen sich monatlich kündbare Verträge am besten.
Notfallzugang. Gibt es eine Konsole im Browser, mit der Sie auf den Server kommen, wenn Sie sich per SSH ausgesperrt haben? Das passiert jedem einmal.
Häufige Fragen zum vServer mieten
Was ist der Unterschied zwischen vServer und Root-Server?
Ein Root-Server, auch dedizierter Server genannt, ist ein ganzer physischer Rechner nur für Sie. Ein vServer ist ein virtueller Teil davon. Root-Zugang haben Sie bei beiden.
Brauche ich Linux-Kenntnisse?
Für einen unbetreuten vServer ja. Sie sollten Befehle in einer Textkonsole eingeben und Anleitungen umsetzen können. Für einen Managed vServer reichen Grundkenntnisse.
Kann ich meine E-Mails auch auf dem vServer betreiben?
Technisch ja, im Alltag ist es mühsam. Ein eigener Mailserver muss sauber eingerichtet sein, damit Ihre Mails nicht im Spam landen. Viele lassen die Postfächer deshalb beim Hoster. Mehr dazu auf der Seite zur eigenen E-Mail-Adresse.
Ist ein vServer schneller als Shared Hosting?
Nicht automatisch. Ein gut eingerichteter Shared-Tarif kann schneller sein als ein kleiner, schlecht eingerichteter vServer. Der Vorteil ist die Verlässlichkeit: Ihre Leistung hängt nicht von den Nachbarn ab.
Erst prüfen, dann umsteigen
Ein vServer ist ein großartiges Werkzeug, wenn Sie wissen, wofür Sie ihn brauchen. Bevor Sie einen vServer mieten, prüfen Sie, ob ein größerer Webhosting-Tarif nicht reicht. Fällt die Wahl auf den vServer, entscheiden Sie bewusst zwischen betreut und unbetreut. Was bei der Anbieterwahl sonst noch zählt, fasst die Checkliste zur Wahl des Webhosters zusammen.
Steht der neue Server, muss die Seite umziehen. Damit sie dabei keine Minute offline ist, kommt es auf die Reihenfolge an.