Baukasten oder WordPress: die ehrliche Entscheidungshilfe
Sie wollen eine Webseite, und schon am Anfang steht eine Frage, die alle anders beantworten. Der eine schwört auf seinen Baukasten, die andere sagt, ohne WordPress gehe gar nichts. Beide haben recht, für sich selbst. Das Problem: Wer falsch wählt, merkt es meist erst nach ein, zwei Jahren, wenn die Seite gewachsen ist und ein Wechsel richtig Arbeit macht. Bei der Frage Baukasten oder WordPress hilft ein nüchterner Blick auf Ihren Alltag mehr als jede Empfehlung aus dem Bekanntenkreis.
Die schnelle Antwort auf Baukasten oder WordPress: Nehmen Sie einen Baukasten, wenn Sie wenige Seiten brauchen und sich nie um Technik kümmern wollen. Nehmen Sie WordPress, wenn die Seite wachsen soll, besondere Funktionen braucht oder Sie den Anbieter frei wechseln wollen. Teuer wird die falsche Wahl meist erst beim Wechsel, denn eine Baukasten-Seite müssen Sie dann neu bauen.
Mietwohnung oder eigenes Haus
Ein Homepagebaukasten ist wie eine Mietwohnung, möbliert und mit Hausmeister. Sie ziehen ein, stellen ein paar eigene Sachen hin und wohnen. Um Heizung, Dach und Strom kümmert sich der Vermieter. Dafür dürfen Sie keine Wände versetzen, und beim Auszug bleiben die Möbel da.
WordPress ist wie ein eigenes Haus auf einem gemieteten Grundstück. Sie bauen, wie Sie wollen, mit beliebigen Anbauten. Sie können das Haus sogar abbauen und auf ein anderes Grundstück umziehen. Dafür sind Sie selbst für Dach und Heizung zuständig.
Technisch heißt das: Beim Baukasten bekommen Sie Software, Speicherplatz und Pflege aus einer Hand. Bei WordPress mieten Sie Webspace bei einem Hoster und installieren die kostenlose Software dort selbst. Wie das im Detail aussieht, beschreiben die Seiten Homepagebaukasten und WordPress Hosting.
Baukasten oder WordPress: der Vergleich
Einstieg
Beim Baukasten wählen Sie eine Vorlage, tauschen Texte und Bilder aus, fertig. Viele haben am ersten Abend eine vorzeigbare Seite. Bei WordPress müssen Sie sich erst zurechtfinden: Theme wählen, Plugins verstehen, Menüs anlegen. Rechnen Sie mit einigen Abenden Einarbeitung.
Pflege
Beim Baukasten kümmert sich der Anbieter um Updates und Sicherheit. Sie merken davon nichts. Bei WordPress sind Sie selbst zuständig. WordPress, Theme und Plugins brauchen regelmäßig Updates. Wer das schleifen lässt, riskiert, dass die Seite gehackt wird. Viel Arbeit ist das nicht. Sie hört nur nie auf. Etwas leichter macht es WordPress selbst: Kleine Sicherheitsupdates spielt es seit Jahren von allein ein, und seit Version 5.5 lassen sich automatische Updates für Plugins und Themes mit einem Klick einschalten. Die großen Versionssprünge und die Kontrolle danach bleiben trotzdem bei Ihnen.
Freiheit
Bei der Freiheit spielt WordPress seine Stärke aus. Für fast jede Funktion gibt es ein Plugin: Terminbuchung, Mitgliederbereich, mehrsprachige Seiten, Shop. Beim Baukasten bekommen Sie, was der Anbieter einbaut. Das reicht oft, aber wenn eine Funktion fehlt, können Sie sie meist nicht nachrüsten. Wer ernsthaft verkaufen will, sollte vorher die Anforderungen an Onlineshop Hosting kennen.
Umzug
Dieser Punkt wird am häufigsten übersehen. Eine WordPress-Seite können Sie zu jedem Hoster mitnehmen. Eine Baukasten-Seite lässt sich in der Regel nicht exportieren. Wenn Sie den Anbieter wechseln wollen, bauen Sie die Seite neu. Ihre Texte und Bilder können Sie zwar kopieren, Aufbau und Design aber nicht. Von allen Baukasten Nachteilen wiegt dieser am schwersten. Einzelne Baukästen bieten immerhin einen Export an. Squarespace etwa gibt Seiten und Blogbeiträge als Datei aus, die WordPress einlesen kann. Design und Funktionen bleiben aber auch dann zurück.
Kosten
Beim Baukasten zahlen Sie eine feste Monatsgebühr, oft gestaffelt nach Funktionen. Bei WordPress zahlen Sie den Hoster, dazu kommen eventuell Kosten für ein Theme oder Plugins mit Zusatzfunktionen. Welche Variante auf Dauer günstiger ist, hängt vom Tarif ab. Rechnen Sie bei beiden mit den Preisen ab dem zweiten Jahr.
Baukasten oder WordPress: fünf Jahre durchgerechnet
Der Monatspreis auf der Startseite sagt wenig. Vergleichen Sie lieber, was beide Wege über fünf Jahre kosten. Nehmen Sie dafür die Preislisten von zwei, drei Anbietern und addieren Sie diese Posten:
- Grundpreis: Monatspreis ab dem zweiten Jahr mal 60. Beim Baukasten ist das der Tarif mit allen Funktionen, die Sie brauchen, nicht der kleinste.
- Domain: Jahrespreis mal 5, falls sie nicht im Tarif steckt.
- Zusatzfunktionen: beim Baukasten Aufpreise für Shop, Terminbuchung oder mehr Unterseiten, bei WordPress ein Theme und Plugins mit Jahreslizenz mal 5.
- Ihre Zeit: Bei WordPress rechnen viele mit etwa einer Stunde im Monat für Updates und Kontrolle. Das sind in fünf Jahren 60 Stunden. Setzen Sie dafür Ihren eigenen Stundensatz an oder den Preis eines Wartungsvertrags.
- Wechselkosten: Wollen Sie in fünf Jahren den Anbieter wechseln, müssen Sie eine Baukasten-Seite neu bauen. Schätzen Sie, was das an Zeit oder Agenturkosten bedeutet.
Oft liegt WordPress beim reinen Geld vorn und der Baukasten bei der Zeit. Welche Seite der Rechnung für Sie schwerer wiegt, entscheidet mit.
Für wen sich was eignet
Der Baukasten passt für eine Visitenkarten-Seite, einen Handwerksbetrieb mit fünf Unterseiten, ein Café mit Speisekarte und Öffnungszeiten, eine Hochzeitsseite oder einen Verein, der wenig Zeit für Technik hat. Also für alle, die eine überschaubare Seite schnell online haben und nie wieder an Technik denken wollen. Worauf es bei einer Vereinsseite sonst noch ankommt, steht unter Vereinswebseite erstellen und hosten.
WordPress passt für einen Blog, der über Jahre wachsen soll, für Seiten mit besonderen Funktionen, für Firmen, die unabhängig vom Anbieter bleiben wollen, und für alle, die Spaß am Basteln haben.
Bekannte Baukästen sind zum Beispiel Jimdo mit Sitz in Hamburg, IONOS MyWebsite aus Montabaur, Wix mit Sitz in Tel Aviv und Squarespace aus New York. Sie unterscheiden sich vor allem bei Vorlagen, Shopfunktionen und beim Datenschutz. Bei Anbietern außerhalb der EU lohnt ein genauer Blick in den Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Die Frage Baukasten oder WordPress, oder konkret WordPress oder Wix, Jimdo und Co., lässt sich also nicht allgemein beantworten. Den Ausschlag gibt, was Sie in zwei Jahren mit der Seite vorhaben.
Drei Fragen, die Ihnen die Entscheidung abnehmen
Beantworten Sie die Fragen ehrlich. Wer keine Lust auf Updates hat, wird sie auch nicht machen, und eine ungepflegte WordPress-Seite ist schlechter als eine gepflegte Baukasten-Seite.
Was in beiden Fällen gleich wichtig ist
Eigene Domain. Nutzen Sie bei beiden Varianten eine eigene Adresse, die auf Sie eingetragen ist. Dann können Sie bei einem Wechsel zumindest die Adresse mitnehmen. Wie das geht, steht unter Domain registrieren.
Datenschutz. Prüfen Sie, wo der Anbieter Ihre Daten speichert und ob er einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung anbietet. Einige bekannte Baukästen haben ihren Sitz außerhalb der EU. Was das bedeutet, erklärt die Seite Serverstandort Deutschland.
Eigene Kopie. Sichern Sie Texte und Bilder regelmäßig auf Ihrem Rechner, auch beim Baukasten.
Häufige Fragen zu Baukasten oder WordPress
Ist WordPress kostenlos?
Die Software ja. Sie brauchen aber Webspace und eine Domain, und manche Themes und Plugins kosten Geld.
Kann ich vom Baukasten später zu WordPress wechseln?
Ja, aber meist nur durch Neuaufbau. Texte und Bilder übernehmen Sie von Hand. Planen Sie dafür Zeit ein.
Was ist besser für Google?
Beide können gut gefunden werden. Für Google zählen Inhalte, Ladezeit und saubere Überschriften. Das System ist zweitrangig. WordPress bietet mehr Einstellmöglichkeiten, ein guter Baukasten deckt die Grundlagen ab.
Brauche ich für WordPress Programmierkenntnisse?
Nein. Für die normale Pflege reichen Klicks im Browser. Programmierkenntnisse helfen erst, wenn Sie das Design stark anpassen wollen.
Gibt es einen Mittelweg?
Ja. Bei einem betreuten WordPress-Tarif übernimmt der Hoster die Updates. Sie behalten die Freiheit von WordPress und geben die Pflege ab.
Was zu Ihnen passt
Bei der Wahl Baukasten oder WordPress zählt allein, was zu Ihnen passt. Wollen Sie schnell fertig sein und nie an Technik denken, nehmen Sie den Baukasten. Wollen Sie wachsen und frei bleiben, nehmen Sie WordPress mit einem guten Hoster. Den finden Sie mit der Checkliste zur Wahl des Webhosters.
Fällt die Wahl auf WordPress, ist der nächste Schritt der passende Tarif. Vier Angaben im Tarifblatt entscheiden, ob WordPress rund läuft.